11.2.12

Besuch bei der Lindenschule

Die letzte Woche hatte ich Gelegenheit, die Lindenschule in Oberkirch (Luzern) zu besuchen. Die Lindenschule ist eine erst 3-jährige Institution, die sich mehr als Lebensgemeinschaft denn Schule versteht. Gemäss den anwesenden Lehrpersonen Begleiterinnen und Begleitern orientiert sie sich vor allem an den Gedanken der Sinnstiftung und jenen des freien pädagogischen Arbeitskreises sowie am Rande an der Waldorf- sowie der Montessori-Philosophie. Sie umfasst derzeit 21 Schülerinnen und Schüler, unterteilt in 3 Alterskategorien und ist in einem Bauernhof auf einer grossen Waldlichtung eingemietet. Im individuellen Freiheitsgrad der Lernenden steht sie zwischen den Sudbury-Schulen mit grossem Freiheitsgrad und den Staatsschulen mit sehr geringem Freiheitsgrad. Die Schülerinnen und Schüler haben viel Freiräume, die Welt ausserhalb des Schulhauses (des Bauernhofes) zu entdecken und erfahren, sei es bei den Tieren des Hofes, im Wald oder am nahegelegenen Bach. Die Schule hält sich aber auch an den Lehrplan, dh. es gibt durchaus feste Lerninhalte, die allerdings zeitlich flexibel und individuell gehandhabt werden. Gemäss den Erkenntnissen der Hirnforschung sehen die Begleiterinnen und Begleiter ihre Aufgabe vor allem im Motivieren und Inspirieren. Sie suchen Wege, das Unterrichten auf ein Minimum zu reduzieren und die Schülerinnen und Schüler die Welt durch entdeckendes Lernen verstehen zu lernen. Verglichen mit Staatsschulen wird den Kindern eine grosse Selbständigkeit zugetraut, beispielsweise organisieren sie den Putzplan eigenständig. Allgemein scheint mir die Forderung, die Kinder zu mündigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen zu erziehen, sehr viel ernster genommen zu werden als an Staatsschulen. Dazu kann ein Kind aber durchaus zu einer gewissen Aktivität verpflichtet werden, wenn dies für die persönliche Entwicklung des Kindes hilfreich erscheint.

Ziel der Schule ist es, die individuellen Talente der Kinder zu fördern und nicht zu standardisieren. Das ist in Gruppen von durchschnittlich 7 Kindern sicherlich auch besser möglich als in Klassen von 25 oder mehr Kindern.

Die Schule scheint mir die Freiheiten des Bildungssystemes möglichst auszureizen, um die individuellen Talente der Schülerinnen und Schüler wie auch die Mündigkeit zu fördern ohne die Realität des Umfeldes zu ignorieren. So wird mit Standortbestimmungen geprüft, wo die Schülerinnen und Schüler im nationalen Vergleich stehen.

22.1.12

SGG-Revue: "Wikipedia - Prototyp für ein kulturelles Produkt der Zukunft"

In der Ausgabe 5/2011 der Revue der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG durfte ich den Beitrag zur Kolumne "Und übrigens" verfassen. Ich wählte das Thema "Wikipedia - Prototyp für ein kulturelles Produkt der Zukunft" und stellte im Beitrag den Bezug der Wikipedia zum Leitmedienwechsel her. Die Ausgabe der Revue ist nun als PDF online abrufbar; die Kolumne findet sich auf der allerletzten Seite.

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft hat im 2011 übrigens einen Dokumentarfilm "Die freiwillige Schweiz" gedreht. Darin wurden verschiedene Freiwilligenprojekte vorgestellt. Unter anderem erzählten Micha Rieser und ich von unserer Arbeit bei der Wikipedia.

20.12.11

Badges zum Lernen?

In letzter Zeit bin ich zwei Initiativen begegnet, die Abzeichen (Badges) vergeben, um Kompetenzen auszuweisen.

Mozilla Open Badges will informell Gelerntes besser zur Geltung bringen mit Hilfe von Abzeichen, also Wissen und Fähigkeiten, die ausserhalb der Schule erworben wurden. Die Auszeichen sollen dann in Sozialen Netzwerken wie Facebook und LinkedIn oder auf privaten Websites oder Blogs angebracht werden können, um die persönlichen Fähigkeiten auszuweisen.

Project Noah (danke, Gregor Lütolf, für den Hinweis) hat sich dem Erkunden und Dokumentieren von Lebewesen verschrieben. Interessierte können sich an verschiedenen Projekten beteiligen oder eigene Projekte starten. Zum Beispiel können sie Fotos von Wildtieren schiessen und sie systematisch erfassen. Für die verschiedenen Aktivitäten gibt es Abzeichen. Teil von Project Noah ist eine Android-App.

PS: Badges liessen sich perfekt in meine Idee eines Bildungssystems für das 21. Jahrhundert integrieren.

[Update]: Hier ist noch ein E-Learning-Dienst, der Badges vergibt für erfolgreiche Lernschritte, diesmal geht es um JavaScript-Programmierung: http://www.codecademy.com
[Update 2]: Via Jochen Robes wurde ich auf den Open Course "Introduction to Openness in Education" von David Wiley aufmerksam, bei dem man Badges für erledigte Arbeiten erlangen kann.

7.12.11

Hirnforscher: Unterrichten ist eine falsche Vorstellung

Gerade bin ich auf ein kurzes Video gestossen, in dem der Hirnforscher Gerald Hüther die Konsequenzen der Hirnforschung für das Unterrichten, also das jetzige Schulsystem zieht:

6.12.11

Unser Schulystem aus Sicht unserer Enkel

Wie erklären wir unseren Enkeln unser Schulsystem und was halten unsere Enkel davon? Gerade ist ein Video aus dem Jahr 2050 aufgetaucht, welches Hinweise gibt.

25.11.11

Liebe Planet-Wikimedia-Leserinnen und -Leser

Da dieser Blog sich thematisch immer mehr von der Wikipedia weg hin zu Bildungsthemen verlagert, werde ich ihn aus dem Planet Wikimedia enfernen lassen. Wenn ihr euch künftig über neue Blog-Beiträge informieren möchtet, seid ihr eingeladen, den Atom-Feed des Blogs oder meine Tweets zu abonnieren.

21.11.11

Wikipedia und Physikunterricht

In einem früheren Blog-Posting habe ich beschrieben, wie in Zeiten der Wikipedia Plagiate in Schulen vermieden werden können, indem den Schülerinnen und Schülern zeitgemässe Aufträge erteilt werden. Zur Illustration habe ich ein Beispiel aus der Geschichte gewählt. Der Gymnasiallehrer Patrick Itten hat nun in seinem Blog ein (aus meiner Laiensicht sehr schönes) Beispiel für den Physikunterricht formuliert:
«Am Cern sollen angeblich Teilchen detektiert worden sein, welche sich mit ‘Überlichtgeschwindigkeit’ fortbewegen. Versetzen Sie sich in die Rolle eines Physikers und schreiben Sie einen verständlichen Zeitungsartikel in welchem Sie argumentieren warum das eigentlich aus heutiger Sicht nicht sein kann.»
BTW: Patrick Itten erwähnt in seinem Beitrag das Projekt Matura KiK (Kompetenzen im Kontext) der Kantonsschule Romanshorn, bei dem ich im Frühsommer vor Ort reinschnuppern durfte und das ich als eines der zukunftsfähigsten und interessantesten Konzepte im gymnasialen Bildungsbereich halte.