Die letzte Woche hatte ich Gelegenheit, die
Lindenschule in Oberkirch (Luzern) zu besuchen. Die Lindenschule ist eine erst 3-jährige Institution, die sich mehr als Lebensgemeinschaft denn Schule versteht. Gemäss den anwesenden
Lehrpersonen Begleiterinnen und Begleitern orientiert sie sich vor allem an den Gedanken der
Sinnstiftung und jenen des
freien pädagogischen Arbeitskreises sowie am Rande an der
Waldorf- sowie der
Montessori-Philosophie. Sie umfasst derzeit 21 Schülerinnen und Schüler, unterteilt in 3 Alterskategorien und ist in einem Bauernhof auf einer grossen Waldlichtung eingemietet. Im individuellen Freiheitsgrad der Lernenden steht sie zwischen den
Sudbury-Schulen mit grossem Freiheitsgrad und den Staatsschulen mit sehr geringem Freiheitsgrad. Die Schülerinnen und Schüler haben viel Freiräume, die Welt ausserhalb des Schulhauses (des Bauernhofes) zu entdecken und erfahren, sei es bei den Tieren des Hofes, im Wald oder am nahegelegenen Bach. Die Schule hält sich aber auch an den Lehrplan, dh. es gibt durchaus feste Lerninhalte, die allerdings zeitlich flexibel und individuell gehandhabt werden. Gemäss den Erkenntnissen der Hirnforschung sehen die Begleiterinnen und Begleiter ihre Aufgabe vor allem im Motivieren und Inspirieren. Sie suchen Wege, das Unterrichten auf ein Minimum zu reduzieren und die Schülerinnen und Schüler die Welt durch entdeckendes Lernen verstehen zu lernen. Verglichen mit Staatsschulen wird den Kindern eine grosse Selbständigkeit zugetraut, beispielsweise organisieren sie den Putzplan eigenständig. Allgemein scheint mir die Forderung, die Kinder zu mündigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen zu erziehen, sehr viel ernster genommen zu werden als an Staatsschulen. Dazu kann ein Kind aber durchaus zu einer gewissen Aktivität verpflichtet werden, wenn dies für die persönliche Entwicklung des Kindes hilfreich erscheint.
Ziel der Schule ist es, die individuellen Talente der Kinder zu fördern und nicht zu standardisieren. Das ist in Gruppen von durchschnittlich 7 Kindern sicherlich auch besser möglich als in Klassen von 25 oder mehr Kindern.
Die Schule scheint mir die Freiheiten des Bildungssystemes möglichst auszureizen, um die individuellen Talente der Schülerinnen und Schüler wie auch die Mündigkeit zu fördern ohne die Realität des Umfeldes zu ignorieren. So wird mit Standortbestimmungen geprüft, wo die Schülerinnen und Schüler im nationalen Vergleich stehen.